Brexit: Haftungsrisiken für Unternehmen  in der Form der englischen Limited

Der Austritt des Vereinigten Königsreichs aus der EU könnte tiefgreifende rechtliche Folgen für deutsche Unternehmen in der Form der englischen Limited haben. Denkbar ist, dass es zum Verlust der Haftungsbeschränkung kommt.

In Deutschland gibt es ca. 9.000 Kapitalgesellschaften in der Form der englischen Limited. Bevor der Gesetzgeber in Deutschland im Jahr 2008 die UG geschaffen hat, war die englische Limited – zentral registriert in Cardiff – eine Möglichkeit, um in den Genuss einer beschränkten Haftung zu kommen. Gründungsaufwand und -kosten im Vergleich zur GmbH waren wesentlich geringer. Aufgrund der Rechtsprechung des EuGH zur Niederlassungsfreiheit wird die englische Limited als rechtsfähige Gesellschaft mit beschränkter Haftung anerkannt.

Gesellschaften, die in einem Land der EU gegründet wurden, sind in anderen Mitgliedstaaten als wirksam bestehende Gesellschaften anzuerkennen.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU könnte das Ende der Anerkennung bedeuten.

Nach der deutschen Rechtsprechung wird die Sitztheorie vertreten. Danach werden in Drittstaaten außerhalb der EU gegründete Kapitalgesellschaften, die ihren Verwaltungssitz in Deutschland haben, lediglich als Personengesellschaften anerkannt. Die ausländische Limited könnte somit rechtlich als GbR oder OHG zu behandeln sein. Das heißt, als Personengesellschaft ohne (!) Haftungsbeschränkung. Damit haften die Gesellschafter persönlich, gesamtschuldnerisch und unbegrenzt mit ihrem gesamten Vermögen (!)

Der mögliche Verlust der Anerkennung und somit der Haftungsbeschränkung führt also zu massiven Haftungsrisiken. Ob dies der Fall sein wird, lässt sich genauso wenig vorhersagen wie die Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen.

Möglich sind bilaterale Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU, die zur Beibehaltung der bisherigen Regelungen führen. Fraglich ist, wie weit die EU dem Vereinigten Königreich beim Brexit entgegenkommen wird. Es ist davon auszugehen, dass es nur wenige Zugeständnisse seitens der EU geben wird, um andere Staaten von einem Austritt abzuhalten.

Momentan wahrscheinlicher erscheint daher ein sogenannter harter Brexit. Das bedeutet, dass Großbritannien den EU-Binnenmarkt sowie die Zollunion vollumfänglich verlässt und sich nicht mehr auf die EU-Grundfreiheiten, insbesondere die Niederlassungsfreiheit berufen kann.

Gerade aufgrund dieser Ungewissheit sollten Unternehmen in der Form der englischen Limited die Zeit während der Brexit-Verhandlungen dazu nutzen, um ihr Unternehmen in eine deutsche GmbH umzuwandeln. Damit werden weiterhin die Vorteile einer Haftungsbeschränkung gesichert und Risiken ausgeschlossen. Ebenso ist die Neugründung einer GmbH in Deutschland und die anschließende Übertragung des Gesellschaftsvermögens der Limited möglich.

Existenzgründern ist zu raten, von vornherein die Rechtsform der GmbH oder zumindest der UG wählen, anstatt das Unternehmen in der Form der Limited zu gründen.

Die Kanzlei Prof. Dr. Tuengerthal, Andorfer, Greulich & Prochaska steht Ihnen als starker Partner in allen Fragen zum Gesellschaftsrecht zur Verfügung. Unsere Kanzlei ist auf das Wirtschaftsrecht ausgerichtet, und wir beraten Sie gerne bei der Umstrukturierung Ihres Unternehmens.

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Verfasser:

Michael Krämer LL.M. (Exeter) International Business Law

Freier Mitarbeiter in der Kanzlei Prof. Dr. Tuengerthal, Andorfer, Greulich & Prochaska