AÜG-Reform bedroht über 50.000 Arbeitsplätze

Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Lünendonk (http://luenendonk-shop.de/out/pictures/0/lue_listepi_za_2017_f060617_fl.pdf), das die 25 größten Zeitarbeitsunternehmen befragt hat, könnten rund 57.000 Arbeitsplätze in der Zeitarbeitsbranche im Jahre 2018 bedroht sein. Der Grund liegt in der AÜG-Reform der Großen Koalition vom 1. April 2017.

Das Gesetz sorgt für große Rechtsunsicherheit am Markt. Zudem gibt es bürokratische Stolpersteine, die Verleihern und Entleihern in den Weg gelegt werden. Immer wieder treten verunsicherte Entleiher oder Verleiher an uns heran, um ihre Prozesse an das neue AÜG anzupassen.

Ein großes Problem wird z.B. das Schriftformerfordernis. So droht bei Arbeitnehmerüberlassungsverträgen, die nicht schriftlich abgeschlossen wurden, der Übergang des Arbeitsverhältnisses auf den Entleiher. Da Fax oder E-Mail für die Einhaltung der Schriftform nicht genügen, geht das Gesetz an den praktischen Bedürfnissen vorbei.

Auch den Zeitarbeitern wurde durch das Gesetz ein Bärendienst erwiesen. Nach neun Monaten haben diese zwar einen Anspruch auf Equal Pay. In der Praxis wird es jedoch so laufen, dass Verleiher sich diesen höheren Equal Pay Anspruch vom Entleiher vergüten lassen. Gerade bei leicht austauschbaren Zeitarbeitskräften, wie z.B. Produktionshelfern, werden Entleiher jedoch stattdessen einen Abzug der Zeitarbeiter verlangen. Zeitarbeiter, die hier früher Zuschläge erhielten, werden diese nun zukünftig nicht mehr bekommen bzw. nach neun Monaten wieder auf Null zurückfallen. Selbst wenn jedoch ein Branchenzuschlagstarif für den Einsatz vereinbart wurde, besteht die Gefahr eines vorzeitigen Abzugs. Nach der AÜG-Reform muss nämlich nach 15 Monaten ein gleichwertiges Tarifentgelt erreicht werden. Auch dies wird den Einsatz gerade gering qualifizierter Zeitarbeiter sehr unattraktiv werden lassen.

Das Gleiche gilt aufgrund der neuen Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten. Werden Zeitarbeiter länger als 18 Monate eingesetzt, geht das Arbeitsverhältnis auf den Entleiher über. In der Entleiherbranche können hierzu zwar Tarifverträge abgeschlossen werden. Ein solcher ist der neue TV LeiZ, der eine Einsatzdauer von bis zu vier Jahren vorsieht. Allerdings ist es erforderlich, dass das Entleiherunternehmen einen Betriebsrat hat, mit dem eine entsprechende Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden kann. Viele kleine und mittelständische Unternehmen, die Zeitarbeiter einsetzen, haben jedoch keinen Betriebsrat, sodass sie meist nur 18 Monate Zeitarbeiter einsetzen können. Vor Ablauf dieser 18 Monate wird daher der Einsatz ebenfalls enden. Zeitarbeiter, die hier einen Zuschlag erhalten haben, werden danach ebenfalls wieder auf Null fallen.

Aus diesem Grunde ist bereits jetzt abzusehen, dass die Zeitarbeitsbranche mit einem Umsatzrückgang ab 2018 zu rechnen hat und Zeitarbeiter weniger eingesetzt werden. Bei Fragen hierzu können Sie sich gerne an uns wenden.